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Tom Hodgkinson, “Anleitung zum Müßiggang, Auflage: 8” 
German | ISBN: 3807700889 | 2004 | 375 pages | EPUB | 3 MB

 

Dieses neue Buch ist so voller Weisheit und mit so vielen Witzen angereichert, dass man es in rasendem Tempo verschlingt. Ein Manifest für Veränderung! 

Tom Hodgkinson weiß, wie sich die Bürotoilette umfunktionieren lässt, um einen kurzen Mittagsschlaf zu ermöglichen. Und er weiß, dass René Descartes sein „cogito ergo sum“ nicht am Schreibtisch, sondern im Bett erdacht hat. Hodgkinson ist nämlich Chefredakteur der Fachzeitschrift The Idler und damit Experte für alles, was mit Faulheit zu tun hat. „Anleitung zum Müßiggang“ ist gleichzeitig liebevoll recherchierte Kulturgeschichte und praktischer Ratgeber. 

Und natürlich ein Buch, das zur Faulheit aufruft, unweigerlich politisch. Hodgkinson tritt für mehr Produktivität durch entspanntere Arbeit ein und plädiert für einen gelassenen Umgang mit der Arbeitslosigkeit. 

Er hat ein Herz für Streiks, für Träumer, Absinth und Walter Benjamin. Von Konsumkapitalismus, Weckern und protestantischer Pflichtethik à la Thomas Edison hingegen hält er nichts. Hodgkinsons Buch ist amüsant und voller Anekdoten aus der Geistesgeschichte. 

Hodgkinsons Buch ist eine Fundgrube kurioser Zitate („Es macht keinen Spaß, nichts zu tun, wenn man nichts zu tun hat“, Jerome. K. Jerome) und Anekdoten aus der Geistesgeschichte des Müßiggangs, jede Seite strotzt vor freigebiger Weisheit. 

Er führt Lessing („Lasst uns faul zu allen Sachen, nicht nur faul zur Faulheit sein“) und John Lennon ebenso ins Feld wie vergessene viktorianische Humoristen („Jeder, der meint, vor zwölf zu Bett gehen zu müssen, ist ein Halunke“), obskure Punkmusiker und Bertrand Russel, Walter Benjamin, Oscar Wilde („Aktivität beruht auf Fantasiemangel. Es ist der Ausweg derer, die nicht zu träumen verstehen“), Walt Whitman („Fange kleine an: Sei ein Flaneur der Mittagspause. Schlendere. Trödele. Lass dich treiben … Du bist ein Heiliger, kein Sünder!“), Nietzsche oder Adorno. 

Und das alles, ohne je die chronologische Struktur des Buchs aus den Augen zu verlieren. Die folgt nämlich den Stunden des Tages, die, eine jede für sich, besondere Herausforderungen an den Faulenzer stellen: das morgendliche Aufstehen (oder Nicht-Aufstehen), die Frühstückspause, das lange Mittagessen, das Pfeiferauchen, das Trinken – sogar Mond und Sternen ist ein eigener Abschnitt gewidmet, bis dann im Morgengrauen der letzten Kapitel wieder die Vögel zwitschern … 

Je länger man in dem Band liest, desto idiotischer erscheint ein Großteil der emsigen Routine, die unser Leben dominiert. Gut geschrieben, lustig und mit einer erschöpfenden Kenntnis der Faulheitsliteratur … Ein Buch, das das Leben verändert. Dieser flammende Aufruf zur Tatenlosigkeit verdient Beachtung! Tom Hodgkinson „Anleitung zum Müßiggang“. Aus dem Englischen von Benjamin Schwarz. 370 Seiten. Fadenheftung. Fester Einband. R&B.

 

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