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Nina Federlein, “Manchmal ist das Leben echt zum Kotzen – Wie ich meine Essstörung besiegte” 
German | ISBN: N/A | ASIN: B00CIAOLUU | 2013 | 180 pages | EPUB | 3 MB

 

Über 54.000 Worte.

Psychosomatische Erkrankungen sind heute leider sehr weit verbreitet. Viele Betroffene und deren Angehörige stehen dem Krankheitsbild und dessen Verlauf oft völlig hilflos gegenüber.

In ihrem Buch erzählt die Autorin ihre eigene Leidensgeschichte.
Anhand von Tagebucheinträgen und Berichten gibt sie dem Leser einen schonungslos ehrlichen Einblick in ihre Gedankenwelt und die täglichen Torturen, die sie während ihrem über sieben Jahre andauernden Kampf mit der Essstörung empfunden und erlebt hat.

Aber sie macht auch Hoffnung auf ein erfülltes Leben, da sie es trotz Magersucht – später Bulimie, Depressionen und Borderline-Erkrankung – geschafft hat, aus dem Teufelskreis auszusteigen und heute mit Ihrem Mann und Ihren zwei Kindern ein zufriedenes und symptomfreies Leben führt.

“Jeder Essgestörte hat seine eigene Geschichte. Dies hier ist meine… “

„…jetzt einfach nur heim. Noch schnell tschüss sagen, bitte haltet mich nicht auf. Puh, geschafft! Die Laugenstange verkneif ich mir, ich bin in fünf Minuten im Bulimiker-Paradies, warum sollte ich jetzt das Zeug essen?! Also auf in den Supermarkt. Dann geht`s los, ich weiß genau welcher Gang, was wo steht, was ich brauche. Das ist auch wichtig, darüber denke ich immer vorher nach, denn wenn ich erst mal diesen Tunnelblick habe, kann ich nicht auch noch überlegen, auf was ich heute Lust habe. In diesen Momenten würde ich sonst entweder alles kaufen oder heulend zusammenbrechen vor Überforderung.
Ok, jetzt also genau wie gestern: Da ist der 10er Pack Brötchen, jeweils dreimal Frischkäse Kräuter, dreimal Frischkäse Pur. Weiter, Butter und Zucker, Mehl hab ich noch, Eier brauch ich auch nicht. Das Rezept für Plätzchenteig kenn ich gar nicht genau, ich mess die Mengen auch nicht ab. Einfach eine Butter, ein Ei, Drittel Packung Zucker, halbe Packung Mehl, das ist perfekt. Sollen ja keine Plätzchen werden, nur der Teig, da könnt ich mich reinsetzten, das ist genauso gut wie Nutella, einfach am besten wenn man`s pur futtert. Nur, dass Nutella eben nicht rausgeht und Plätzchenteig flutscht einfach genial.
So, was noch? Ach ja, Fischstäbchen, 15 Stück, dann noch 5er Pack Kartoffeltaschen mit Käse, genial die Dinger, dann 4 Tafeln Schokolade, Milka Joghurt ist unschlagbar!
Ab zur Kasse, ich kann bald nicht mehr. Das Einkaufen zieht sich immer so, ich würde die Leute vor mir am liebsten zur Seite schieben. Zum Glück ist das ein großer Laden, da sind viele Kassen auf und ich geh heute zu der ganz außen, die Verkäuferin kennt mich nicht. Damit es nicht auffällt, dass ich schon wieder so komisches Zeug und vor allem das Gleiche wie gestern einkaufe…

…Puh, ich platz gleich! Aber ich schaff es irgendwie aufs Klo, Brille hochklappen und los geht’s. Am Anfang brauch ich keinen Finger, ich bin so voll und gut trainiert, dass die ersten drei Runden auch so rausgehen. Danach wird’s schon schwieriger, das sind die Brötchen, die sind etwas zäher. Aber vier- fünfmal gekotzt und das ist auch raus.
Mein Hals brennt schon langsam, weil ich nicht gerade zimperlich mit dem Finger rumfuhrwerke. Aber mein Hals ist mir gerade egal, das Zeug muss raus, so schnell wie möglich. Jede Minute ist eine Minute länger, in der mein Körper schon das Verdauen anfängt, also je schneller ich das rauskriege umso besser. Der Knöchel an meinem Zeigefinger ist schon ganz rot, weil ich da mit meinen Zähnen dagegen stoße und meine Bauchmuskeln fangen das Schmerzen an. Wenigstens das ist gut daran, ich hab `nen Waschbrettbauch!
Heute ist ein guter Tag, klar, wenn ich Zeit habe, geht alles immer ganz leicht und schnell, aber wehe ich muss mich beeilen, dann steh ich ewig hier vorm Klo! Egal, ich hab alles draußen…
…Ich bin ausgelaugt, körperlich geschafft wie nach einem Fitnesstraining, meine Knie zittern, ich sollte mich schleunigst hinsetzten. Das geht mir immer so nach dem Kotzen, mein Kreislauf sackt ab, da brauch ich erst mal 10 Minuten Pause, bis ich wieder stehen kann…“

 

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